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Schallschutz in Arztpraxen -Notwendigkeit für Patienten und Ärzte

Die Planung von Arztpraxen "hört" nicht beim optimalen Grundriss, der individuellen Praxiseinrichtung und -ausstattung auf. Auch "weiche" Faktoren sind Planungsgegenstand - wie die Akustik. Mit geschlossenen Augen nehmen wir unsere Umwelt als laut und stressig oder eben als wohltuend ruhig war, denn Geräusche sind maßgebend für unsere Gefühle und Emotion.

Werden Schallschutzanforderungen bei der Planung nicht beachtet, wirkt sich dies ungünstig auf die spätere Arbeitssituation aus. Die Deutsche Industrie Norm (DIN) 4109 "Schallschutz im Hochbau" beinhaltet auch für medizinische Bauten Regelungen.

Die Notwendigkeit, sich über schallschutztechnische Maßnahmen Gedanken zu machen, wird vielen Medizinern erst nach der Neuerrichtung im gelebten Praxisalltag bewusst. Schallschutz und Raumakustik sind Aspekte, die weder auf dem Praxisgrundriss erkennbar noch in einem Prospekt zu bemustern sind. Es fällt schwer, in der Planungsphase Zeit und Geld in eine Problematik zu investieren, die im Vorfeld nicht zu existieren scheint. Doch es ist sehr wichtig, sich von vornherein im Klaren über die unsichtbare Macht des Schalls zu befinden - der Wunsch nach glatten und leicht zu reinigenden Oberflächen (Praxisböden, Wände, Interieur) unterstützt unwissentlich die Ausbreitung von Schallwellen. Denn Geräusche, die in Arbeits- und Behandlungsräume dringen, nagen täglich und auch unbewusst am Nervenkostüm. Arztgespräche mit dem Patient sollen ungestört ablaufen, Vertrauliches soll vertraulich und im Sprechzimmer bleiben - und in Zahnarztpraxen ist es dem Wohlbefinden des wartenden Patienten auch nicht zuträglich, wenn der durchdringende Klang von Bohrer und Co. durch die Praxis dröhnt. Vorherrschende Ruhe in den Behandlungs- und Therapiebereichen kann den Patienten zumindest etwas entspannen und nicht unnötig aufregen.

Emissionsquellen addieren und überlagern sich

Die vielfältigen Geräuschquellen in einer Arztpraxis addieren und überlagern sich - das Telefon, der Nadeldrucker und die Gespräche mit den Patienten am Empfang. Diese Geräuschkulisse findet im Wartezimmer Fortsetzung - ankommen, Kleidung aufhängen, Taschen ablegen, hinsetzen, Stuhl zu Recht rücken, niesen, blättern, husten, aufgerufen werden, aufstehen, gehen. Auch im Gang geht es hoch her - Schritte über den Praxisflur, Öffnen und Zufallen von Türen, Abflussgeräusche, Händetrockner usw. vertonen den täglichen Praxisalltag.

Der Praxisplaner muss folglich Maßnahmen bedenken, welche raumübergreifend Körper- und Luftschallübertragungen mindern. Auch die Abläufe in der Praxis sollten folgerichtig choreografiert sein: So sollten Behandlungs- und Sprechzimmer nicht direkt am „Epizentrum" wie Empfang oder neben dem Wartezimmer angeordnet liegen.
Die Beachtung der in der DIN 4109 vorgegebenen Anforderungen an die jeweiligen Bauteile schafft die Voraussetzung für diskrete, vertrauliche Kommunikation mit dem Patienten. Diese Norm zielt darauf ab, Menschen vor vermeidbaren Belästigungen durch Schallübertragung zu schützen.

Schallschutzfähigkeit von Bauteilen beachten

Demnach sind bei der Ausführungsplanung unbedingt die sogenannten bewerteten Schalldämmmaße der eingebauten Materialien zu berücksichtigen. Das Schalldämmmaß ist eine bauphysikalische Größe, welche die Schallschutzfähigkeit eines Bauteils oder des Übergangs zwischen zwei Bauteilen in Dezibel (dB) angibt. Dabei gilt: je höher der Schalldämmwert, desto besser der Schutz.

Erhöhte Schallschutzanforderungen kommen in Arztpraxen den Türen zu. So gibt die DIN 4109 für beispielsweise Türen zwischen Sprechzimmern und Fluren eine Mindestanforderung an den Schalldämmwert von 37 dB im eingebauten Zustand vor. Erfüllt eine Schallschutztür einmal nicht die gewünschten Eigenschaften, kommen hierfür eine Vielzahl von Ursachen in Frage. So können unter anderem unzureichende Türdichtungen, fehlende Schließzylinder oder unbefriedigend schließende Bodendichtungen dennoch zu einer unerwünschten Schallübertragung führen. Zudem muss auch beachtet werden, dass selbst eine noch so hochwertige Schallschutztür im Sprechzimmer die gewünschten Anforderungen nicht erfüllen kann, sobald die angrenzenden Bauteile geringere Schallschutzeigenschaften aufweisen.

Erhöhte Anforderungen in Arztpraxen

Deshalb gibt die DIN 4109 ebenso die Mindestwerte für Wände vor, die demzufolge zwischen Sprechzimmern und Fluren ein Schalldämmmaß von 47 dB aufweisen müssen. Erhöhte Anforderungen an den Schallschutz bestehen z.B. an Audiometrieräume, Räume für Lungenfunktionstests oder Technikräume mit Kompressor und Saugmaschinen. Um den Luft- und Körperschall hier bestmöglich zu entkoppeln, können Trennwände zweischalig errichtet werden.

Darüber hinaus sind die Wände bei einem Praxisneubau bis auf den Rohfußboden zu führen bzw. sollen bei Umbauten Trennschnitte im Estrichboden vorgenommen werden, um so den Trittschallübergang zu vermeiden.

Im Rahmen eines Umbaus bestehender Praxen, fällt es nachträglich deutlich schwerer, konstruktive Schallschutzmaßnahmen zu realisieren. Diese Bemühungen sind mit einem hohen zeitlichen Aufwand verbunden und kostenintensiv. Jedoch sind in diesem Zusammenhang akustische Verbesserungen möglich. So kann die Akustik in Praxisräumen beispielsweise durch das Einbringen von schallabsorbierenden Flächen verbessert werden.

Klüger ist, wer vorher drüber nachdenkt und plant - mit unserer Hilfe. Wir von PraxenProfi® schaffen durch unser breites Fachwissen für Sie die beste Lösung, um zum einen die gestellten Schallschutzanforderungen einzuhalten. Zum anderen können wir gleichzeitig dazu beizutragen, dass sich in den Räumen der Praxis sowohl Mediziner, Angestellte als auch Patienten wohlfühlen. Für Gestaltungskonzepte, umfassende Planungen und Umbauten erstellen wir Ihnen gern ein individuell auf Ihre Bedürfnisse zugeschnittenes Angebot.

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Holger Brummer

Autor Holger Brummer schreibt als Unternehmer aus seiner Praxis für Praxen. Als Inhaber seines Unternehmens PraxenProfi® ist er Experte und Ansprechpartner rund um alle Fragen zu Standort, Errichtung, Entwicklung und Erhaltung von Praxen für Ärzte, Zahnärzte und Therapeuten.

10.03.2015 | Rubrik: Praxis Ausbau, Praxis Umbau, Praxis im Betrieb, Tipps & Tricks | 8 Kommentare

Kommentare

ömer yilmaz schreibt am 27.10.16 21:54:

eine Frage. muss ein Hausarztpraxis Aufzug,Behindertengerecht WC haben?
vielen dank

Wenn Barrieren / Etagen zu überwinden sind = Aufzug ja.
Behinderten-WC immer in der Praxis oder frei zugänglich im Objekt.

VG Holger Brummer

Franz Schosser schreibt am 9.12.16 1:07:

Hallo, darf man die Zwischenwände einer Artzpraxis mit Rigips bauen? Wieviel db muss die Wand haben. Wie muss die Decke beschaffen sein?

MfG Thomas

Guten Tag, zwischen Sprechzimmern und Fluren können Wände in Trockenbauweise errichtet werden. Das Schalldämmmaß im eingebauten Zustand von 47 dB (sollte) dabei erreicht werden. Das ist kein Hexenwerk und kann bei Rigips oder Knauf erfragt bzw. in den technischen Merkblättern nachgelesen werden.

MfG Holger Brummer

Alfred Grözinger schreibt am 22.05.17 13:43:

Frage 1
müssen Türe und Zarge zusammen ein geprüftes Element sein ?
Frage 2
ist auf geprüften Schallschutzelmente = Türe und Zarge Prüfmarken angebracht ?

Ganz gleich ob Schallschutz, Brandschutz oder Strahlenschutz. Wenn den Türelementen ein Prüfzeugnis zugrunde liegt, dann bezieht dieses sich auf beide Bauteile (Türblatt & Zarge). Ein entsprechendes Prüfzeugnis ist in der Regel im Türfalz an der Bandseite angebracht.
Es gibt aber auch Ausnahmen, bei denen am Türelement nichts dergleichen angebracht ist, jedoch durch entsprechende Dokumente oder Einzelprüfungsnachweis die entsprechende Funktion nachgewiesen ist.

MFG, Holger Brummer

Toni Brot schreibt am 30.08.17 9:03:

Guten Tag, wie kann ich in meiner Praxis eine Messung machen, da mir immer wieder gesagt wird, dass einzelne Gesprächsfetzen gehört werden können. Oder muss das ein Fachmann machen?
MfG T.Brot

Guten Tag,

eine Messung sollte von einem Fachmann durchgeführt werden. Nur löst dies das Problem nicht und ist eher als technischer Nachweis und Bestätigung ihrer Vermutung zu sehen.

Bevor man eine Messung veranlasst kann man selbst nach Ursachen suchen, welche dazu führen das ihre Patientengespräche mitgehört werden. Der Klassiker sind freie Schlüssellöcher in der Sprechzimmertür aufgrund fehlender Schließzylinder. Defekte Türdichtungen oder Bodendichtungen können ebenso eine Ursache sein. Wände, Böden, Decken, Installationsleitungen, usw. können im Einzelnen oder in Summe für Schwachstellen/ Schallbrücken sorgen.

Eine Messung kann hier Hinweis geben, in welchen Bereichen der Konstruktion nach Schallbrücken suchen ist.

MfG Holger Brummer

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